Humor im Business


Mit Witz und Esprit weiterkommen

Knifflige Situationen elegant und schlagfertig meistern – wer wünscht sich das nicht?
Denn Führungskräfte, die kritische Situationen humorvoll entschärfen, genießen große Anerkennung und sind erfolgreicher.
Die alte Volksweisheit „Mit Humor geht alles leichter“ gilt auch im Business: Wo gelacht wird, fühlen sich Mitarbeiter wohl und arbeiten nachweislich mehr und besser. Humor ist ein Katalysator für gutes Betriebsklima und effiziente Teamarbeit – wichtige Faktoren für nachhaltigen Unternehmenserfolg.

Die Humortrainerin und Autorin Eva Ullmann gab den Teilnehmern des Praxisseminars „Humor im Business – Mit Esprit und Witz weiterkommen“ Impulse, wie sie ihren eigenen Humor und den anderer erkennen und gezielt weiterentwickeln können.
Anhand vieler Praxisbeispiele und Übungen bekamen die Führungskräfte am 27. Juni beim 18. Praxisseminar des Personal Competence Centers ein Gefühl dafür, welchen Humor sie wann anwenden und wie sie mit mentaler Beweglichkeit und einer Portion Schlagfertigkeit schwierigen Situationen begegnen können. Am Ende setzte sich die Erkenntnis durch, dass Humor zwar naturgegeben, aber gleichzeitig eine Kompetenz ist, die man gezielt pflegen und weiterentwickeln kann.

Von Überraschungseffekten und dem Mut zum Ausprobieren

Gegen 13 Uhr trafen die ersten Teilnehmer ein, man wartete entspannt auf den Beginn des Seminars.
Schon im Vorfeld entspannen sich Gespräche darüber, was man unter Humor versteht. Anekdoten aus dem
Alltag wurden erzählt und darüber diskutiert, warum Humor manchmal funktioniert und manchmal nicht.
Als die Tür zum Seminarraum endlich aufging, staunten die Teilnehmer nicht schlecht: Das war kein Seminarraum, sondern ein Chaos aus Tischen und Stühlen, die wild durcheinander auf dem Boden lagen. „Oh, hier ist wohl etwas durcheinander geraten“,
scherzte Eva Ullmann. „Aber jetzt können Sie wenigstens selbst entscheiden, wie Sie sitzen wollen. Bitte stellen Sie Stühle und Tische so auf, wie
Sie sich wohl fühlen.“ Innerhalb von zehn Minuten hatten die Teilnehmer unter viel Gelächter die Tische und Stühle und sich selbst platziert, es konnte losgehen.
Mit Irritation und Überraschung zu arbeiten, ist ein wichtiges Erfolgsrezept, wenn man humorvoll kommunizieren möchte.

„Mit diesem etwas ungewöhnlichen und lustigen Einstieg habe ich gleich mehrere Ziele erreicht: Die Situation ist im wahren Wortsinn MERKwürdig, Sie werden sich noch lange daran erinnern, und Sie sind miteinander in Kontakt und ins Gespräch gekommen.“
Diese letzte Komponente ist der wahre Wert der humorvollen Kommunikation: Humor verbindet Menschen, macht es möglich, sich näher kennen-zulernen und Sympathie und Vertrauen zueinander aufzubauen.
Wichtig ist, gerade im Geschäftsleben die richtige Mischung aus Ernsthaftigkeit und Spaß zu finden. Es gibt im Business keine Narrenfreiheit, wie sie beispiels- weise der Kabaretist hat, der gerne auch mal seine Witze auf Kosten anderer macht und dadurch Lacher erntet. Wenn man einen passenden Vergleich ziehen möchte, so ist es eher die Rolle des Hofnarrs, die Vorbild für effektvolle humorvolle Kommunikation sein
könnte. Denn der Hofnarr sollte durch seinen Humor ablenken, belustigen, durfte sich trauen, was anderen nicht erlaubt war, durfte kritisieren, aber nie diskreditieren und auf Kosten des Königs Witze machen.

Türöffner Humor – warum Humor in der Führung sich lohnt

Humor ist die Begabung, ein Lachen hervorzurufen oder selbst lachen zu können. In den USA gilt Humor längst als gefragte Kompetenz für Fühungskräfte im Sinne einer Persönlichkeitseigenschaft, die veränder
- und beeinflussbar ist.
Mit Humor lassen sich drei wichtige Effekte erzielen, die
für eine erfolgreiche Mitarbeiterführung elementar sind:

Aufmerksamkeit

Mit Humor lassen sich trocken Themen auflockern, bei gelungenen Pointen oder Ideen können sie im besten Fall sogar zum Spaß werden. Ein gelunenes Beispiel ist das Unternehmen ADAPTEC, deren Jahresbericht
nicht gelesen wurde und das ihn daher kurzerhand
in der Aufmachung eines Comic und in zweiten Schritt als Kinderbuch umgesetzt hatte. Oder die Idee einer Sicherheitsfirma, die eine Schulung für Personal in Großküchen als Nagelstudio aufgebaut hatte.

Um Aufmerksamkeit zu bekommen, kann man also eine gewisse Inkongruenz verursachen. Dinge zusammenbringen, die eigentlich nicht zusammen gehören. Gute Werbung funktioniert auf dieser Basis: Sie ist dann gut und merk-würdig, wenn sie neben Informationen auch positive Gefühle transportiert und den Empfänger zum Lachen bringt. Das ist ein sehr wirkungsvoller Anker.

Eine weitere Methode, um Aufmerksamkeit zu erzielen, ist die Übertreibung. Vorhandene Themen oder Problematiken werden so überspitzt dargestellt, dass sie lustig sind und Sympathie hervorrufen.

Eine Autowerkstatt hatte häufig mit vermeintlich fachkundigem Klienten zu kämpfen, die entweder bei der Reparatur zuschauen oder sogar helfen wollten. Dies war für den Ablauf in der Werkstatt kontra-produktiv. Anstatt Ermahnungen und Verbote auszu-sprechen, hängte die Geschäftsleitung folgendes Plakat in die Werkstatt:

Autoreparatur                        40€/h
wenn Sie warten                    45€/h
wenn Sie zugucken                60€/h
wenn Sie helfen                     75€/h

Entspannung

In unangenehmen Situationen oder Konflikten ist der erfolgreich, der für Entspannung sorgen kann. Das lässt sich auf humorvolle Weise mit Statusspielen erreichen. Dabei spielt man bewusst mit seiner Macht-stellung, variiert sie geschickt und erzeugt damit Über- raschung, Verständnis und im besten Fall Sympathie. Das kann durch Worte geschehen (Beispiel: „Sie gucken so böse, Sie machen mir Angst“) oder durch Körpersprache (Blick senken, nervös an sich herum-zupfen etc.). Das funktioniert jedoch nur auf der Ebene einer Führungskraft, die absichtlich vorüber-gehend ihren Status senkt. Seinen Status zu senken und dem der Mitarbeiter anzupassen, kann schon dadurch erfolgen, dass man Fehler zugibt und dass man andere über sich lachen lässt und vor allem selbst über sich lachen kann. Wichtig ist, dass man den eigenen Status auf die Schippe nimmt und sich immer respektvoll dem Anderen gegenüber benimmt.

Vertrauen

Über Humor lässt sich Nähe ebenso schaffen wie Distanz. Wie Humor wirkt, hat viel mit der inneren Haltung desjenigen zu tun, der ihn anwendet. So kann Humor wertschätzend oder verletzend angewandt werden. In der Wissenschaft unterscheidet man zwischen aufwertendem und abwertendem Humor, sowohl in Bezug auf die eigene Person als auch auf sein Gegenüber. Gelingt es, die richtige Dosis an aufwertendem Humor einzusetzen, ist eine Brücke für Sympathie und Vertrauen geschaffen. Ein wunderbares Instrument in diesem Zusammenhang sind Komplimente, ruhig auch in Form von liebevoller Übertreibung. Wenn wir hören „Du bist die beste Mama der Welt“ oder „Ohne Sie würde der Laden zusammenbrechen“, so wissen wir genau, dass das zwar nicht der Wahrheit entspricht, fühlen uns aber trotzdem geschmeichelt und angenommen. Denn der andere Mensch hat unsere Qualitäten erkannt und benannt.

Humor bei Konflikten

Kommt es zu Konflikten, ertappen wir uns dabei, immer wieder in dieselben Verhaltens- und Kommunikation-smuster zu verfallen. Es fällt uns schwer, souverän und gelassen zu bleiben. Der Grund ist so verblüffend wie einfach: Wir verfallen evolutionsbedingt in steinzeitliche Muster.  Auf einen Übergriff, sei er berechtigt oder nicht, reagieren wir mit Angriff, Verteidigung oder Flucht – jeder seinem Naturell entsprechend.
Eine gute Methode, um diese Muster zu durchbrechen, ist das aktive Zuhören. Indem man das Gesagte des Gegenübers zusammenfasst, gibt man ihm die Gelegenheit, erst einmal Dampf abzulassen und sich ein wenig zu beruhigen. Zudem bekommt der Ge- sprächspartner das Gefühl, dass man Interesse an seinem Anliegen hat.

Das Aktive Zuhören beinhaltet:

  • das Zusammenfassen vom Gesagten ohne Wertung,
  • Zustimmung oder zumindest Reaktionen auf das Gesagte zeigen (soziales Grunzen)
  • das Erfassen von Gefühlen in ICH-Botschaften (ich habe das Gefühl, dass...)

Das Ergebnis ist eine wertschätzende Haltung dem Anderen gegenüber, was zu einer Deeskalation führen kann. Eine Steigerung dieser Technik ist das humorvolle Spiegeln. Dabei mündet das Aktive Zuhören in einer liebevoll gemeinten Übertreibung.

Humorvolles Selbst-Bewusstsein

Um humorvoll kommunizieren zu können, muss man sich selbst kennen und im besten Fall mit sich im Reinen sein: Was für ein Mensch bin ich? Was treibt mich an? Warum regiere ich in Konflikten häufig ähnlich?

Es lohnt sich, in diesem Zusammenhang einen Blick auf die inneren Antreiber zu werfen (nach Eric Berne). Innere Antreiber haben uns dahin gebracht, wo wir heute sind. Sie repräsentieren im Grund positive Eigenschaften wie Stärke, Freundlichkeit oder Durchhaltevermögen.
Doch die inneren Antreiber überspitzen sie und lassen sie damit zur Belastung werden. Damit innere Antreiber nicht zur Bürde werden, sollte ihnen bewusst Erlauber entgegengesetzt werden, die auf die eigene Persönlichkeit abgestimmt sind.

Die Voraussetzung für wertschätzende humorvolle Kommunikation ist Menschlichkeit, Empathie und die Kunst, nicht alles und vor allem sich selbst ganz so ernst zu nehmen. Mit diesem menschlichen Inventar, das wir im täglichen Umgang mit Kollegen und Mit- menschen erweitern und aufladen können, sind wir dem Ziel der heiteren Gelassenheit im Alltag schon ganz nahe.