Grundsätzlich darf ein Arbeitgeber nach deinem bisherigen Gehalt fragen. Es gibt in Deutschland kein gesetzliches Verbot, das diese Frage im Bewerbungsprozess untersagt. Allerdings bist du als Bewerber nicht verpflichtet, wahrheitsgemäß zu antworten, und in vielen Situationen kannst du die Frage geschickt umlenken. Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen rund um das Thema Gehaltsangabe in der Bewerbung und zeigt dir, wie du dich in Gehaltsverhandlungen souverän verhältst. Weitere hilfreiche Tipps findest du auch in unserem Job-Ratgeber.
Ist die Frage nach dem bisherigen Gehalt in Deutschland erlaubt?
Ja, die Frage nach dem bisherigen Gehalt ist in Deutschland grundsätzlich erlaubt. Es existiert kein Gesetz, das Arbeitgebern verbietet, nach dem Vorgehalt zu fragen. Im Gegensatz zu einigen anderen Ländern, etwa bestimmten US-Bundesstaaten, hat Deutschland keine gesetzliche Regelung eingeführt, die diese Frage explizit untersagt.
Das bedeutet jedoch nicht, dass du als Bewerber schutzlos bist. Das Fragerecht des Arbeitgebers ist durch das allgemeine Persönlichkeitsrecht begrenzt. Fragen sind nur dann zulässig, wenn sie einen berechtigten Bezug zum Arbeitsverhältnis haben. Beim bisherigen Gehalt sehen Gerichte diesen Bezug in der Regel als gegeben an, da der Arbeitgeber ein legitimes Interesse daran hat, zu verstehen, welche Vergütungserwartungen ein Bewerber mitbringt.
Anders sieht es bei Fragen aus, die diskriminierend wirken könnten, zum Beispiel nach Familienplanung oder Gesundheitszustand. Diese sind unzulässig. Die Frage nach dem Gehalt aus der alten Stelle bewegt sich dagegen im erlaubten Bereich, solange sie sachlich gestellt wird.
Muss man das Gehalt aus dem alten Job wahrheitsgemäß angeben?
Nein, du bist rechtlich nicht verpflichtet, dein bisheriges Gehalt wahrheitsgemäß anzugeben. Bei zulässigen Fragen gilt zwar grundsätzlich eine Wahrheitspflicht, doch Gerichte haben entschieden, dass Bewerber bei der Gehaltsfrage ein Recht zur Lüge haben. Der Grund: Das bisherige Gehalt berührt deine persönliche Privatsphäre und hat keinen zwingenden Einfluss auf deine Eignung für die neue Stelle.
Praktisch bedeutet das: Wenn du angibst, bisher mehr verdient zu haben als tatsächlich der Fall war, kann der Arbeitgeber den Vertrag in der Regel nicht wegen arglistiger Täuschung anfechten. Das hat der Bundesgerichtshof in seiner Rechtsprechung grundsätzlich anerkannt.
Dennoch solltest du mit dieser Möglichkeit vorsichtig umgehen. Wer übertrieben hohe Zahlen nennt, riskiert, dass die Gehaltsvorstellung unrealistisch wirkt oder später im Arbeitsverhältnis Ungereimtheiten entstehen. Eine elegantere Strategie ist es, die Frage geschickt umzulenken, anstatt schlicht etwas zu erfinden.
Warum fragen Arbeitgeber überhaupt nach dem bisherigen Gehalt?
Arbeitgeber fragen nach dem Vorgehalt vor allem, um ihre eigene Verhandlungsposition zu stärken. Wer weiß, was ein Bewerber zuletzt verdient hat, kann ein Angebot knapp darüber positionieren und dabei das eigene Budget schonen. Die Frage dient also primär dem Arbeitgeber, nicht dem Bewerber.
Daneben gibt es weitere Gründe, warum Unternehmen diese Information einholen wollen:
- Einschätzung der Gehaltsvorstellung: Das bisherige Gehalt gilt als Indikator dafür, welche Vergütung ein Bewerber als angemessen empfindet.
- Einordnung der Qualifikation: Ein höheres Vorgehalt kann auf mehr Verantwortung oder Spezialisierung hindeuten, auch wenn das nicht zwingend so ist.
- Vergleich mit internen Gehaltsstrukturen: Unternehmen wollen sicherstellen, dass ein neues Gehalt zur bestehenden Gehaltsskala passt.
- Vermeidung von Überqualifikation: Manchmal soll geprüft werden, ob ein Bewerber langfristig mit dem angebotenen Gehaltsniveau zufrieden sein wird.
Wichtig zu verstehen ist: Das bisherige Gehalt sagt nichts darüber aus, was du wert bist oder was du in der neuen Stelle verdienen solltest. Dein Marktwert richtet sich nach deinen Fähigkeiten, der aktuellen Nachfrage und dem, was das neue Unternehmen zahlen kann und will.
Wie sollte man auf die Gehaltsfrage im Vorstellungsgespräch reagieren?
Die beste Reaktion auf die Frage nach deinem bisherigen Gehalt ist, das Gespräch aktiv auf deine Gehaltsvorstellung zu lenken, anstatt nur rückwärtsgewandt zu antworten. Nenne dein Vorgehalt nur dann, wenn es dir strategisch nützt, und verbinde es sofort mit deiner Erwartung für die neue Stelle. Wenn du noch auf der Suche nach der richtigen Stelle bist, hilft dir unser Bereich Job finden dabei, passende Angebote zu entdecken.
Hier sind bewährte Ansätze für verschiedene Situationen:
Wenn dein bisheriges Gehalt zu niedrig war
War dein altes Gehalt unter dem Marktdurchschnitt, solltest du die Frage geschickt umgehen. Eine mögliche Formulierung: „Mein bisheriges Gehalt spiegelt nicht meinen Marktwert wider. Für diese Position erwarte ich ein Jahresgehalt von X Euro, was meiner Erfahrung und den aktuellen Marktgegebenheiten entspricht.“ So lenkst du den Fokus auf die Zukunft, ohne dich durch eine niedrige Zahl selbst zu benachteiligen.
Wenn dein bisheriges Gehalt hoch war
War dein Vorgehalt bereits gut, kannst du es als Ausgangspunkt nutzen: „Ich habe zuletzt X Euro verdient und erwarte für diese Position eine Vergütung in ähnlicher Höhe, idealerweise mit Entwicklungspotenzial.“ Das signalisiert, dass du deinen Wert kennst, ohne übertriebene Forderungen zu stellen.
Generell gilt: Bereite dich vor dem Gespräch gründlich vor. Recherchiere Gehaltsvergleiche für deine Branche und Region, damit du mit konkreten Zahlen argumentieren kannst. Wer gut informiert in die Gehaltsverhandlung geht, kann selbstbewusst und sachlich auftreten, unabhängig davon, was bisher auf dem Gehaltszettel stand.
Was gilt bei der Gehaltsangabe in Stellenanzeigen und Bewerbungsunterlagen?
In Stellenanzeigen wird häufig nach einer Gehaltsvorstellung gefragt, seltener nach dem bisherigen Gehalt. Wenn du aufgefordert wirst, deine Gehaltsvorstellung in der Bewerbung anzugeben, solltest du eine konkrete, gut recherchierte Zahl nennen, keine Spanne. Eine klare Zahl wirkt selbstbewusster und gibt dem Arbeitgeber eine verlässliche Grundlage. Einen Überblick über aktuelle Stellenangebote findest du direkt in unseren Jobs.
Folgende Punkte solltest du bei der Gehaltsangabe in Bewerbungsunterlagen beachten:
- Gehaltsvorstellung statt Vorgehalt: Wenn nicht explizit nach dem bisherigen Gehalt gefragt wird, nenne ausschließlich deine Erwartung für die neue Stelle.
- Brutto pro Jahr angeben: In Deutschland ist es üblich, das Jahresbruttogehalt zu nennen.
- Marktrecherche als Basis: Nutze Gehaltsvergleiche aus seriösen Quellen, um eine realistische und begründbare Zahl zu nennen.
- Keine zu breite Spanne: Eine Spanne wie „50.000 bis 70.000 Euro“ signalisiert Unsicherheit. Besser: eine Zielgröße mit einem kleinen Verhandlungspuffer.
Wenn in der Stellenanzeige explizit nach dem bisherigen Gehalt gefragt wird, kannst du es angeben, aber immer in Kombination mit deiner Gehaltsvorstellung. So gibst du dem Arbeitgeber die gewünschte Information, ohne das Gespräch allein auf das Vorgehalt zu reduzieren.
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